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Kurdischer Film

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mini Der kurdische Film ist geprägt vom Schicksal der Kurden als Volk ohne eigenen Staat. Er erzählt von sozialen Missständen, Unterdrückung, Folter, Menschenrechtsverletzungen und dem Leben im Exil. Für viele Kurden ist der Film ein zentrales Ausdrucksmittel, da er die Möglichkeit bietet, auf künstlerische Art und Weise auf die eigene Lage aufmerksam zu machen.[1]

Aufgrund staatlicher Repressionen, insbesondere in der Türkei, war es lange Zeit schwierig, Filme in kurdischer Sprache zu produzieren. Erst 1991 wurde das Verbot der kurdischen Sprache in der Türkei aufgehoben.[2][3] Dies hat die Entfaltung des kurdischen Films erschwert. Viele kurdische Filme entstehen daher im Exil, etwa in Europa.[4]

Die bekanntesten kurdischen Regisseure sind Yılmaz Güney und Nizamettin Ariç. Yılmaz Güney begann bereits in den 1950er Jahren mit dem Filmemachen. Sein Film Yol – Der Weg (1982), den er aus dem Gefängnis heraus inszenierte, gewann die Goldene Palme bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes.[5] Güney gilt als Symbolfigur eines antikolonialen Kinos, das sich mit kultureller Identität und Widerstand auseinandersetzt.[6] Sein Tod im Jahre 1984 in Paris bedeutete das Ende des kurdischen Filmes für eine lange Zeit, gerade wo er zu internationalem Ruhm kam. Allerdings folgte 1991 ein weiterer kurdische Film namens „Ein Lied für Beko“ von Nizamettin Ariç aus deutsch-armenischer Produktion.[7][8] Im Jahre 1992 folgte Mem û Zîn von Regisseur Ümit Elçi aus türkischer Produktion.[9] Der Film Siyabend und Xecê stammt aus dem Jahre 1993 und wurde auch in der Türkei produziert.[10]

In den letzten Jahrzehnten hat sich das kurdische Kino weiterentwickelt, die Zahl der Filmveröffentlichungen steigt stetig u. a. Produktionen aus dem Iran. Insbesondere Regisseure wie Bahman Ghobadi, der für seinen Film Schildkröten können fliegen auf der Berlinale den Friedensfilmpreis erhielt, tragen dazu bei.[11]

Der erste bekannte Film, der Kurden thematisierte, war Zare (1926) von Hamo Beknazaryan, gedreht in der Armenischen SSR.[12]

Neue kurdische Dokumentarfilmbewegung

In der jüngeren Vergangenheit entstand eine neue Dokumentarfilmbewegung in allen vier Teilen Kurdistan. Seit den 2000er Jahren hat sich eine neue Generation kurdischer Dokumentarfilmer etabliert, die sich mit Themen wie Exil, Identität, Erinnerung und Widerstand auseinandersetzt. Viele dieser Filme entstehen in der Diaspora und verbinden persönliche Perspektiven mit politischer Analyse. In Frankreich, Deutschland und der Schweiz entstehen Filmproduktionsfirmen von kurdischen Filmemachern, die durch den öffentlichen Rundfunk dieser Staaten gefördert wurden. Die Bewegung ist geprägt von einem transnationalen Ansatz, der kurdische Erfahrungen in Europa, dem Nahen Osten und darüber hinaus sichtbar macht. So wurde etwa die 2025 veröffentlichte Dokumentarserie „Vejîna Kurd – Vom Völkermord zum freien Leben“ von Teams aus allen vier Teilen Kurdistans sowie der kurdischen Diaspora produziert. Sie dokumentiert die Geschichte der kurdischen Befreiungsbewegung und ist das Ergebnis von acht Jahren transnationaler Recherchearbeit.[13]

Kurdische Filmemacher benutzen Dokumentarfilme als Werkzeug, um hauptsächlich gebildete westliche Zuschauer zu erreichen und diese über historische und aktuelle Umstände in Kurdistan zu informieren. Dies geschieht im Besonderen durch das Zeigen der Filme auf Filmfestivals und in Sozialen Medien. Viele diese Dokumentarfilme wurden mit kleinem Budget und wenigen Mitarbeiten gedreht. Auch Filmfestivals wie das Kurdische Filmfestival Berlin fördern die Sichtbarkeit dieser Bewegung. Dort werden regelmäßig Dokumentarfilme gezeigt, die sich mit der kurdischen Geschichte, dem Widerstand gegen staatliche Gewalt und der Rolle von Frauen in der Gesellschaft beschäftigen.[14] Auch die Kurdischen Filmtage München tragen zur Sichtbarkeit kurdischer Filmkunst bei. Das Festival präsentiert jährlich eine vielfältige Auswahl an Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilmen, die sich mit der Geschichte, Kultur und den aktuellen Herausforderungen der kurdischen Gemeinschaft befassen. Themen wie politische Konflikte, Umweltveränderungen, das Leben der Kolbars oder die Rolle von Frauen stehen im Mittelpunkt. Begleitende Diskussionen und ein Kinderfilmprogramm fördern den kulturellen Austausch.[15]

Der Film Banaz: A Love Story, produziert von Deeyah Khan, handelt von Banaz Mahmod, einer 20-jährigen kurdischen Frau aus Mitcham im Süden Londons, die 2006 Opfer eines Ehrenmords wurde, verübt von ihrem Vater, Onkel und mehreren Cousins. Der Film gewann 2013 den Emmy Award in der Kategorie Best International Current Affairs.[16]

Ein herausragender Vertreter dieser Bewegung ist der in der Schweiz lebende Regisseur Mano Khalil. In seinen dokumentarischen und fiktionalen Arbeiten thematisiert er die Folgen von Repression, Migration und kulturellem Verlust. Sein Film Der Imker (2013) porträtiert das Leben eines kurdischen Flüchtlings aus Syrien in der Schweiz und wurde international vielfach ausgezeichnet.[17] Mit dem autobiografisch inspirierten Spielfilm Nachbarn (2021) verarbeitete Khalil seine Kindheitserfahrungen in einem syrisch-kurdischen Dorf an der Grenze zur Türkei.[18]

Regisseure

Schauspieler

Filmfestivals (Auswahl)

  • Kurdische Filmtage München[19]
  • Kurdisches Filmfestival Berlin[20]
  • Kurdisches Filmfestival Düsseldorf (DKFF)[21]
  • Kurdisches Filmfestival Köln[22]
  • Zagros Filmfestival, Paris[23]
  • Festival des Films Kurde de Paris (dt.: Kurdisches Filmfestival Paris) (FFKP)[24]
  • London Kurdisch Film Festival (dt.: Kurdisches Filmfestival London) (LKFF)[25]
  • Amsterdam Koerdisch Film Festival (dt.: Kurdisches Filmfestival Amsterdam)[26]

Filme (Auswahl)

Dokumentarfilme (Auswahl)

  • 1999: Triumph des Eisens[81]
  • 2006: Notes from a Kurdish Rebel (Stefano Savona)[82]
  • 2008: Close up Kurdistan (Yüksel Yavuz)[83]
  • 2011: The Guerilla Son (schwed.: Gerillasonen) (Zanyar Adami, David Herdies)[84]
  • 2012: Banaz: A Love Story (Deeyah Khan)[85]
  • 2013: 1,001 Apples (Taha Karimi)[86]
  • 2013: Der Imker (Mano Khalil)[87]
  • 2013: Hêvî (dt. Hoffnung) (Yüksel Yavuz)[88]
  • 2013: The Silent Revolution (David Meseguer, Oriol Gracià)[89]
  • 2015: North – Bakur (Çayan Demirel & Ertugrul Mavioglu)[90]
  • 2015: Her War: Women Vs. ISIS (Anastasia Trofimova)[91]
  • 2015: Life on the Border[92]
  • 2015: Berçem – Suyun öteki yanı (dt.: Die andere Seite des Wassers)[93]
  • 2015: Frontline Fighting: Battling ISIS[94]
  • 2015: Victims of ISIS (Anastasia Trofimova)[95]
  • 2015: Letter to the King (nor.: Brev til kongen) (Hisham Zaman)[96]
  • 2016: Dil Leyla (Asli Özarslan)[97]
  • 2016: Der Freiheitskampf der Kurdinnen (Mylène Sauloy)[98]
  • 2016: Roza – The Country Of Two Rivers (Kudbettin Cebe)[99]
  • 2016: Radio Kobanî (Reber Dosky)[100]
  • 2016: Gulîstan, Land of Roses (Zaynê Akyol)[101]
  • 2016: The Sniper of Kobani (Reber Dosky)[102]
  • 2016: Our War (Bruno Chiaravalloti, Claudio Jampaglia, Benedetta Argentieri)[103]
  • 2016: My Paradise (Ekrem Heydo)[104]
  • 2017: AMED – Gedächtnis einer Stadt (Yüksel Yavuz)[105]
  • 2017: Filles du Feu (Stéphane Breton)[106]
  • 2017: Fear Us Women (David Darg)[107]
  • 2017: Resistance Is Life (Apo W. Bazidi)[108]
  • 2017: Who is Afraid of Ideology? Part 1 (Marwa Arsanios)[109]
  • 2017: Binxet – Under the Border (Luigi D’Alife)[110]
  • 2017: No Place for Tears (Reyan Tuvi)[111]
  • 2017: Jiyan’s Story (A. Halûk Ünal)[112]
  • 2017: Accidental Anarchist (Clara Glynn, John Archer)[113]
  • 2017: The Road to Raqqa (Anastasia Trofimova)[114]
  • 2018: Commander Arian (Alba Sotorra)[115]
  • 2018: I Am The Revolution (Benedetta Argentieri)[116]
  • 2018: The Communes of Rojava: A Model In Societal Self Direction (Neighbor Democracy)[117]
  • 2019: Sidik and the Panther (Reber Dosky)[118]
  • 2019: Rojava – Der Traum der Kurden (Michael Enger)[119]
  • 2019: Voices of Bakur (Two Rivers and a Valley)[120]
  • 2019: Anna: The Woman Who Went to Fight ISIS (Marina Parker)[121]
  • 2019: Who Is Afraid of Ideology? Part 2 (Marwa Arsanios)[122]
  • 2019: International Volunteers of the Rojava Revolution (Lorenzo Serna)[123]
  • 2020: Paris - Die Kurdinnen und ihr Killer: Der Kampf von PKK und Türkei mitten in Europa (Ahmet Senyurt)[124]
  • 2021: Heval (Adam R. Wood)[125]
  • 2021: Kurdbûn - To Be Kurdish (Fariborz Kamkari)[126]
  • 2021: The Other Side of the River (Antonia Kilian)[127]
  • 2022: Angels of Sinjar (Hanna Polak)[128]
  • 2023: The Rain Bride (Hemin Latif)[129]
  • 2023: Irak: Kurden gegen Mullahs (Jean-Jacques Cunnac)[130]
  • 2025: Ji qirkirinê ber bi jiyana azad ve – Vejîna Kurd (dt.: Vom Völkermord zum freien Leben) (Dokumentations-Kommune Gulistan Tara)[131]
  • 2024: Roots: Jews of Kurdistan in Jerusalem (Veysi Dag)[132]

Quellen

Einzelnachweise

  1. Kurdistan in VHS: Die postkolonialen Fragen des kurdischen Films, poco.lit, 24. April 2024.
  2. „Das türkische Sprachverbotsgesetz verbot bis zum Jahr 1991 die kurdische Sprache in allen erdenklichen Lebensbereichen – sogar kurdische Namen waren verboten.“ In: Nicht verboten, aber bedroht, taz.de, 16. April 2020.
  3. „Gesetz Nr. 2932 Artikel 2 (gültig bis 1991): ‚Die Veröffentlichung von Gedankengut in einer anderen Sprache als der ersten Amtssprache ist verboten.‘“ In: Unterdrückung der kurdischen Kultur in der Türkei, F-Dur e.V., Dezember 2017.
  4. Kurdische Filme | Cinegeek
  5. „Yol – Der Weg“ wurde 1982 bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet. Das Drehbuch schrieb Yılmaz Güney im Gefängnis, während Şerif Gören die Regie übernahm. Quelle: Festival de Cannes – Yol: The full version in Cannes Classics, 19. Mai 2017.
  6. Kurdistan in VHS: Die postkolonialen Fragen des kurdischen Films, poco.lit, 24. April 2024.
  7. „Ein Lied für Beko“ war der erste kurdische Spielfilm in kurdischer Sprache und wurde 1991 von Nizamettin Ariç in deutsch-armenischer Koproduktion realisiert. Quelle: Arsenal – Ein Lied für Beko, arsenal-berlin.de
  8. Heike Haarhoff: „Politisches Liedgut“, in: taz – die tageszeitung, 19. November 2004. Online verfügbar unter: https://taz.de/Ich-zeige-dir-ein-Gefuehl/!1619285/, abgerufen am 22. Juni 2025.
  9. „Mem û Zîn“ wurde 1992 von Ümit Elçi in der Türkei verfilmt und basiert auf dem gleichnamigen Epos von Ehmedê Xanî. Quelle: Thomas Koebner (Hrsg.): Reclams Sachlexikon des Films. Reclam Verlag, Stuttgart 2011, S. 438.
  10. „Siyabend und Xecê“ ist ein kurdischer Jugendfilm aus dem Jahr 1993 (Türkei/Deutschland), inszeniert von Şahin Gök. Die Geschichte basiert auf einem kurdischen Volksmärchen und wurde als Märchenfilm für Kinder inszeniert. Quelle: Filmdienst – Siyabend und Xecê, abgerufen am 22. Juni 2025.
  11. „Schildkröten können fliegen“ (2004) von Bahman Ghobadi wurde auf der Berlinale mit dem Friedensfilmpreis ausgezeichnet und gewann die Goldene Muschel in San Sebastián. Quelle: Kino-Zeit – Schildkröten können fliegen, abgerufen am 22. Juni 2025.
  12. Artsvi Bakhchinyan: „Zaré and Kurds-Yezids: The representation of the Kurds in two Soviet Armenian films“, in: Cinergie – Il Cinema e le altre Arti, Nr. 7, März 2015. Online verfügbar unter: https://cinergie.unibo.it/article/view/5553
  13. Quelle: ANF – Die kurdische Auferstehung feiert Premiere, abgerufen am 22. Juni 2025.
  14. Kurdisches Filmfestival Berlin 2025, abgerufen am 22. Juni 2025.
  15. Kurdische Filmtage München, abgerufen am 5. Juni 2026.
  16. Quelle: IKWRO – Deeyah wins an Emmy award for ‘Banaz’, abgerufen am 22. Juni 2025.
  17. „Der Imker“ – Filmkritik und Hintergrund, in: Kino-Zeit, abgerufen am 22. Juni 2025.
  18. „Nachbarn“ – Filmbeschreibung und Biografie Mano Khalils, in: Barnsteiner Film, abgerufen am 22. Juni 2025.
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