Hüseyin Aygün
Hüseyin Aygün (* 20. Oktober 1970 in Erdoğdu, Provinz Tunceli) ist ein türkischer Anwalt, Politiker der CHP und ehemaliger Abgeordneter des türkischen Parlaments.
Biografie
Aygün entstammt einer zazaischen Familie mit alevitischem Glauben.[1] Er veröffentlichte Bücher auf Türkisch zum Thema Dersim-Massaker von 1937/1938 und eines auf Zazaki. Seit dem Abschluss seines Studiums der Rechtswissenschaften an der Universität Ankara arbeitet er als Anwalt in Tunceli. Der CHP-Vorsitzende Kemal Kılıçdaroğlu, der ebenfalls aus der Provinz Tunceli stammt, warb ihn für die CHP an. Seine Stellung innerhalb der Partei ist vor allem aufgrund seiner Äußerungen zur Verwicklung der CHP in die Dersim-Massaker umstritten. Bei der Parlamentswahl in der Türkei 2011 wurde Aygün zum Abgeordneten des Wahlkreises Tunceli gewählt.[2] Zur nächsten Parlamentswahl 2015 trat er nicht an. Aygün ist verheiratet und Vater einer Tochter sowie eines Sohnes.
Entführung durch die PKK
Aygün wurde am 12. August 2012 im Landkreis Ovacık der Provinz Tunceli durch Mitglieder der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) entführt. Aygün und seine beiden Begleiter wurden mit ihrem Fahrzeug angehalten. Nach kurzer Verhandlung in türkischer Sprache wurden Aygüns Begleiter freigelassen und Aygün selbst entführt.[3]
Die PKK teilte in einer Pressemitteilung mit, dass Aygüns Entführung eine Reaktion auf seine Unterstützung der Kriegsstrategie der türkischen Regierung gegen das kurdische Volk in Dersim und die PKK, der Assimilationspolitik der türkischen Regierung in Dersim und ein Zeichen für Aygün diese Politik nicht zu unterstützen sei.[4]
Zwei Tage später wurde Aygün am 14. August 2012 unverletzt freigelassen. Unter anderem hatte sich die Organisation Amnesty International für seine Freilassung eingesetzt.[5]
Seine medialen Äußerungen nach der Freilassung wurden in der türkischen Politik scharf kritisiert. Innerhalb seiner eigenen Partei wurde Aygün „Sympathie für eine Terrororganisation“ vorgeworfen und der CHP-Parteivorsitzende Kılıçdaroğlu bestellte ihn kurz nach seiner Freilassung zur Aussprache nach Ankara ein. Aygüns erste Stellungnahme war:
Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan bekundete sein Misstrauen über die Umstände der Entführung und spekulierte über eine Öffentlichkeitsaktion zwischen der PKK und Aygün.[6]
Werke
- Eve Tarixê Ho Têri Amaene (2007), ISBN 978-975-8277-33-9
- Dersim 1938 ve Zorunlu İskan (2009), ISBN 975-905-175-3; dt.: Dersim 1938 und die Zwangsumsiedlung
- Dersim 1938 Resmiyet ve Hakikat (2010), ISBN 605-441-208-6; dt.: Dersim 1938 Offizieller Standpunkt und Realität
Einzelnachweise
- ↑ Hikmet Çetinkaya, [1], Cumhuriyet, 15. August 2012. Abgerufen am 13. Februar 2013
- ↑ Hüseyin Aygün, TBMM CHP
- ↑ Kurdische Rebellen entführen Politiker. Website der Zeitung Frankfurter Rundschau. Abgerufen am 27. Oktober 2012.
- ↑ PKK Kidnaps Opposition Deputy Hüseyin Aygün. Website von Bianet. Abgerufen am 26. Oktober 2012.
- ↑ Amnesty International: Parlamentarier Hüseyin Aygün von PKK wieder freigelassen.
- ↑ Şablon:Webarchiv Website der Zeitung Today's Zaman. Abgerufen am 27. Oktober 2012.
Ev gotar bi zimanên din / Dieser Artikel in anderen Sprachen
Dieser Artikel basiert (ganz oder teilweise) auf dem Artikel „Hüseyin Aygün“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Lizenz CC BY-SA 4.0. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.