Gurbetelli Ersöz (* 11. Juli 1965 in Palu (Elazığ); † 8. Oktober 1997) war eine türkische Journalistin und Chemikerin, die in den 1990er-Jahren zu einer wichtigen Repräsentantin der prokurdischen Presse in der Türkei wurde.[1][2] Sie war Chefredakteurin von Özgür Gündem und gilt als erste Frau an der Spitze einer Zeitung in der Türkei.[3][4] Ihr postum veröffentlichtes Tagebuch wurde später in mehreren Sprachen neu herausgegeben und auch in Ausstellungen und Kunstprojekten rezipiert.[5][6][7]

Leben

Ersöz wurde 1965 in Palu in der Provinz Elazığ geboren, studierte Chemie an der Çukurova-Universität und arbeitete dort später als Assistentin.[3][2] Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1986 und der Giftgasangriff auf Halabdscha 1988 stellten Wendepunkte ihres politischen Bewusstseins dar.[2][6] Im Jahr 1990 wurde sie festgenommen, misshandelt und für etwa zwei Jahre inhaftiert, bevor sie in den Journalismus zurückkehren konnte.[3][2] Nach der Razzia gegen Özgür Gündem im Dezember 1993 wurde sie erneut verhaftet; ihre Festnahme vom 12. Januar 1994 erfolgte wegen des Vorwurfs, der PKK geholfen zu haben.[8][9] 1995 schloss sie sich der PKK an und führte bis zu ihrem Tod, sie verstarb am 8. Oktober 1997 während eines Gefechts in Südkurdistan, Tagebuch.[1][4]

Wirken

Als Chefredakteurin von Özgür Gündem stand Ersöz für eine Berichterstattung, welche den kurdischen Konflikt gegen staatliche Verdrängung sichtbar machte und ihre Redaktion zugleich permanenter Repression aussetzte.[1][2] Ihr Tagebuch Yüreğimi Dağlara Nakşettim wurde 1998 erstmals in Deutschland veröffentlicht, 2014 in der Türkei neu herausgegeben und dort später verboten; 2023 erschien eine französische Übersetzung und 2026 unter dem Titel Gurbets Tagebuch – Ich habe mein Herz in die Berge graviert erstmals eine deutsche Ausgabe.[4][5][6] Im Jahr 2017 überführte die Künstlerin Banu Cennetoğlu den postum veröffentlichten Text für die documenta 14 in eine Installation aus 145 lithografischen Kalksteinplatten, und das Projekt war überdies als Teil von Cennetoğlus erster US-Soloschau.[7] Ihr Name lebt zudem in Journalismuspreisen fort; 2025 wurden in Diyarbakır erstmals die Gurbetelli-Ersöz-Preis für Frauen im Journalismus vergeben.[10][11]

Einzelnachweise

Şablon:Normdaten

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Şablon:Personendaten

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